Mutlu Ergün-Hamaz: „Kare Günlük - Die geheimen Tagebücher des Sesperado“ - oder wie man auf die Frage nach der Herkunft antwortet


Ein Thema, von dem noch nicht jeder persönlich betroffen war, das aber dennoch alle etwas angeht – was zunächst paradox klingen mag, lässt sich ganz leicht auflösen: Rassismus. Ein alltägliches Phänomen, Problem, oder wie auch immer man es bezeichnen will.
 
Um noch mehr Leute darauf aufmerksam zu machen, findet bereits zum dritten Mal das „Festival contre le racisme“ in Passau statt. Ein Team aus 10-12 Leuten hat ein interessantes Veranstaltungsprogramm organisiert, bestehend aus Vorträgen, Workshops, Konzerten, Filmvorführungen und noch vielem mehr. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe machte am vergangenen Mittwoch Mutlu Ergün-Hamaz, der aus seinem Buch „Kare Günlük - Die geheimen Tagebücher des Sesperado“ vorlas.

Das Café Museum war gut besucht, sodass es sich bald einige Besucher auf der Treppe bequem machen und andere vom Eingang aus neugierig um die Ecke linsen mussten. Mutlu Ergün-Hamaz beschreibt in seinem Buch auf  leicht satirische Weise die letzten Tage vor der R.O.C. (Revolution of Colour), bei der sich alle People of Colour vereinen werden. Denn seiner Meinung nach herrscht in Deutschland noch immer das Denken vor, dass man als „richtiger Deutscher“ weiß sein müsse.
 
Sogleich präsentiert er im ersten Kapitel seine Top 5 – Antworten auf die Frage „Wo kommst du heeer?“, die auch just zum Einsatz kommen, als er in der WG von Lena, der Freundin eines Kumpels, zum Abendessen eingeladen ist. Denn „Lenas Mitbewohner sind alle weiß und nicht sehr weise.“
 
Im zweiten Kapitel mit dem Namen „Cheeseburger“ wird dann das allseits bekannte Terroristen-Klischee aufs Korn genommen. Sein bester Kumpel, mit dem er am liebsten der Leidenschaft nach dem genannten Junkfood nachgeht, nennt sich Dschihad und schreckt Sitznachbarn in der U-Bahn allzu gern mit arabischen Gebetsklingeltönen auf. Dazu ein Bart und eine Jacke mit ausgebeulten Taschen, und die Panik ist perfekt.

Neben dem Sturm auf ein Seminar zur interkulturellen Kompetenz bestand eine Gegenattacke der People of Colour darin, Medien zu sabotieren. So wurde ein CSU-Politiker schnell mal zum religiösen Fanatiker und Fundamentalisten – ein Punkt, der sogar in einer niederbayerischen Kleinstadt Menschen zum Lachen bringen kann.

Der Abend mit Mutlu war nicht nur einfach eine Lesung, sondern eine multimediale Veranstaltung. So wurden immer wieder Videosequenzen und Raps eingebaut. Auch präsentierte der Autor eine Musikrichtung, die den wenigsten geläufig sein dürfte: Muslimischer Punk. „Sharia Law in the USA“ - ein Song, bei dem jeder Trump-Anhänger aufschreien würde.
 
Dem kräftigen Applaus nach zu urteilen, dürfte der Abend den meisten Besuchern Spaß gemacht haben. Man kann nur hoffen, dass viele auch auf dem Heimweg noch über die Thematik nachdachten.

kultürlich-Autorin + Bilder: Ina Frank



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