„Eigentlich sucht jeder woanders nach einem besseren Leben“ - „Lost River“-Filmvorführung an der Uni

So manches Mal kommt es einem so vor, als liefe im Kino nur der typische Familienkomödien-Einheitsbrei. Dann empfiehlt sich ein Besuch des örtlichen Programmkinos – oder man schaut, was die Uni gerade so zu bieten hat. Am vergangenen Samstag Abend lud die Gruppe Attac Passau zur Filmvorführung von „Lost River“, bei dem Freunde des Arthouse-Films sicherlich auf ihre Kosten kamen.

Mit „Lost River“ gab Schauspieler Ryan Gosling, bekannt aus Filmen wie „The place beyond the pines“ oder dem brutal-schönen Drama „Drive“, sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor. Der Film wurde erstmals 2014 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt und soll dort ziemlich gefloppt sein – soviel zur oben bereits angeklungenen Mainstream-Meinung.


Die Kleinstadt Lost River ist nach der Wirtschaftskrise zu einer Geisterstadt verkommen. Das Abreißen oder Abbrennen von nicht rechtzeitig bezahlten Häusern ist an der Tagesordnung. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Familie der alleinerziehenden Mutter Billy. Auch bei ihr reicht das Geld nicht, um den Hauskredit abzubezahlen. Aus lauter Verzweiflung nimmt sie einen Job in einem Nachtclub an, in dem sich die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele auftun. Soviel sei gesagt: Jeden Abend geilen sich die Massen daran auf, dass das Blut in Strömen fließt. Billys Sohn Bones wiederum ist nach einem Diebstahl von wertvollem Kupfer in das Visier von Bully geraten, der schon länger die Gegend tyrannisiert. Metalldiebstähle als Sicherung des Lebensunterhalts sind in einem entwickelten Land wie den USA eigentlich schwer vorstellbar. Dann ist da noch Bones kleiner Bruder Franky, der sich vor den angeblichen Monstern unter seinem Bett fürchtet.
Eines Tages erfährt Bones vom Nachbarsmädchen Rat, dass beim Bau des nahegelegenen Stausees mehrere Ortschaften geflutet wurden. Seitdem liege ein Fluch auf Lost River. Dieser kann nur gebrochen werden, wenn man ein Monster aus der Tiefe birgt…


Sollte man den Film in nur einem Wort beschreiben, wäre wohl „bildgewaltig“ der treffendste Ausdruck. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen surrealistisch wirkenden Aufnahmen, und die Sonne scheint im ganzen Film nie wirklich aufzugehen. Plötzlich knallt es, und man ist wieder woanders. Als Zuschauer bleibt man stets in der Erwartung, dass gleich etwas passiert. So kann man sich auch von den oft brutalen Gewaltszenen kaum losreißen.

„Lost River“, der schon mehrfach als Kapitalismuskritik interpretiert wurde, zeigt auf grausame Weise das Scheitern des amerikanischen Traums. Hauptsächlich wurde der Film übrigens in Detroit gedreht, einer Stadt, von der man seit Langem nichts Gutes mehr gehört hat. Bei vielen Handlungen fragt man sich: „Sind Menschen tatsächlich zu so etwas fähig?“ Es reicht wohl der Blick in die täglichen Nachrichten, um zu antworten: „Ja, und ob sie das sind.“


kultürlich-Autorin: Ina Frank
Fotos: (c) Tiberiusfilm


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