Opportunismus und Repression - „Die Känguru-Chroniken“ im Altonaer Theater in Hamburg

Fotos: © G2 Baraniak/Altonaer Theater
 
 
Ein Freitag Abend in einem Hamburger Theater, ein vollbesetzter Saal, und endlich werden einige der elementaren Fragen des Lebens geklärt: Ist Nichtstun schon passiver Widerstand? Warum spricht ein Richter Recht und nicht Link? Und wo sind eigentlich die Prapsschnalinen?

Der Romanerfolg von Marc-Uwe Kling steht schon bei Vielen auf der Liste der absoluten Lieblingsbücher. Doch kann man solch eine Sammlung von oftmals völlig absurden Szenen überhaupt auf die Bühne bringen? Man kann. Und es geht auch noch absurder.
Fotos: © G2 Baraniak/Altonaer Theater

Den Hintergrund der Bühne bildet ein vertikaler Schnitt einer Wohnung, der beliebig durch Kreidezeichnungen erweitert werden kann. Im Mittelpunkt steht ein Sofa, auf dem der Protagonist vor sich hin vegetiert: Marc-Uwe, ein Kleinkünstler, der aber nicht so genannt werden will. Doch dann zieht das Känguru von nebenan bei ihm ein. Kommunist, Nirvana-Fan und schnapspralinenabhängig – das Chaos ist vorprogrammiert. Zusammen erlebt das ungleiche Paar so einige Abenteuer, vom Besuch beim Arbeitsamt bis zur Verurteilung aufgrund von Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Gekrönt wird das Ganze durch eine Attacke des sogenannten „asozialen Netzwerkes“ auf das „Ministerium für Produktivität“ und einen Showdown in Zeitlupe mit dem kapitalistischen Gegenspieler des Kängurus, dem Pinguin.

Fotos: © G2 Baraniak/Altonaer Theater
Manch einer mag die Handlungen und Dialoge viel zu überspitzt finden, und augenscheinlich konnten auch einige Theaterbesucher mit dem Stück wenig anfangen. Dennoch muss man festhalten, dass die Szenen auf skurrile Weise der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Ja, wir Menschen sind manchmal wirklich so bescheuert. Die schauspielerische Leistung überzeugt durchweg. Besonders beeindruckend ist, dass einige Darsteller gleich mehrere Rollen einnehmen und zwischen diesen innerhalb von wenigen Minuten wechseln. Und jeder, der schon mal mit irgendwie mit Theater zu tun hatte, weiß sicher, wie schwer so ein Zeitlupenkampf ist.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Teilweise wurden Kapitel aus der Fortsetzung, dem „Känguru-Manifest“, mit eingestreut. Für Zuschauer, die die Bücher nicht kannten, war es dadurch wohl tatsächlich manchmal etwas schwer, der Handlung zu folgen.

kultürlich-Autorin: Ina Frank


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